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#1: Kalifornien

Wir sind gestern um 12h gestartet und haben uns inzwischen im Rennen eingegrooved. Fährt man wie wir in zwei Zweierteams, so erlebt man das Rennen als Zweierteam. Bis zum Ziel trifft man das andere Zweierteam immer nur kurz bei den Wechseln. Wenn ich also über das Rennen berichte, dann bedeutet das immer Blickwinkel Wohnmobil 1. Karl und ich hatten gestern die erste Schicht und haben uns natürlich vom RAAM-Fieber anstecken lassen. Die ersten 100 Meilen werden mehr oder weniger voll am Anschlag gefahren, um mal ein paar Duftmarken zu setzen. Macht natürlich überhaupt keinen Sinn, aber gehört zur Choreographie des Rennens dazu. Im Laufe der Nacht wird es dann etwas ruhiger, aber natürlich wird vorne mit sehr viel Zug auf der Kette gefahren. Platz 1 bis 3 sind nur im absoluten Rennmodus zu erreichen. Die Wüste hat uns gestern mit vergleichsweise angenehmen Temperaturen empfangen. Anstatt der üblichen 50 Grad hatte es 40 Grad und die Nacht war geradezu erfrischend. Tim ist die lange Glass Elevator Abfahrt in die Wüste gefahren und es war Ästhetik pur, ihm dabei zuzusehen. Ruhig und wie auf Schienen ist er auf dem Zeitfahrrad kauernd die langen Serpentinen hinunter gerast und hat Auto um Auto überholt. Ihm mit dem Pace Car zu folgen war unmöglich. Der Wind war uns hold, aber auch nicht so wie in früheren Jahren. Immer Mal wieder gab es Abschnitte mit sattem Gegenwind. Team 401 und Team 411 sind bei Borrego Springs an uns vorbeigezogen und man muss den Jungs Respekt zollen für ihren Speed. Beide Teams wechseln alle 30 Minuten. Es wird sich zeigen, was nach Tag 3 passiert, wenn der Faktor Regeneration immer wichtiger wird. Im früheren Jahren konnte man sehen, dass sich unsere Strategie im zweiten Teil des Rennens auszahlt und wir unseren Speed halten konnten, während andere der hohen Intensität Tribut zollen mussten. Wir werden es erleben. Es geht auch nicht darum, was andere liefern, es geht darum mit sich und der eigenen Leistung im Reinen zu sein. Es ist schwer genug, dieses so komplexe Rennen unter den Aspekten Muskulatur, Kreislauf, Stoffwechsel, Ernährung und Regeneration für sich richtig zu gestalten. Bislang funktioniert das ganz gut, wenngleich die erste Nacht „Sleepless in California“ war. Mal sehen wie sich uns Arizona präsentiert.

 

 

Peter Smeets