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Aller guten Dinge sind vier….

Time flies – nur noch wenige Wochen bis zum Start des RAAM 2019. Dabei ist es gefühlt gerade mal ein paar Monate her, seit Florian und Tim bei ihrem Jahresgespräch im September 2017 darüber philosophierten, welche sportliche Herausforderung man noch gemeinsam bewältigen könnte. Florian hatte einen Freund zum Ironman Hawaii begleitet und war gerade erst zurückgekehrt, voller Eindrücke, mit unzähligen Fotos und restlos begeistert vom Spirit, der dort unter den Teilnehmern herrscht. Den Traum, selbst einmal auf Hawaii zu starten, hatte er zwar aufgegeben, aber ein reines Biking-Projekt auf die Straße zu bringen, im wahrsten Sinne des Wortes, das war sein Wunsch – und mit wem könnte man so etwas besser umsetzen als mit Tim, der ihn seit fünf Jahren als Rad-Coach begleitet? Seit die beiden sich im Rahmen eines „Mach-mich-fit“-Projekts 2014 im Radlabor kennenlernten, sind sie ein Team und inzwischen verbindet sie weit mehr miteinander als eine reine Trainings-Partnerschaft. Gemeinsam eine Vision bzw. ein Ziel zu definieren, das man über Monate vorbreitet – das war die Idee, die bei diesem Gespräch geboren wurde. Und da große Ereignisse ihre Schatten bekanntlich weit voraus werfen, begannen die beiden sofort mit der Umsetzung.

Zunächst galt es, ein Radrennen zu finden, das eine geeignete Challenge darstellen könnte. Das Cape Epic, bei dem Ex-Profi Tim bereits mehrfach Podiumsplätze eingefahren hatte, fiel aus. Florian, der ohne voll ausgebildete Unterschenkel auf die Welt kam, betreibt zwar seit vielen Jahren Leistungssport, doch ein reines Mountainbike-Rennen und seine Dysmelie passen nicht gut zusammen. Am Ende fiel die Wahl auf’s RAAM, das „Race across America“, das nicht umsonst den Titel „Härtestes Radrennen der Welt“ trägt. Knapp 5000 Kilometer, einmal quer durch die USA, ohne Pausen, dafür mit insgesamt über 50.000 Höhenkilometern. Klingt verrückt? Ist es auch – allerdings nur für Normalsterbliche. Jemand wie Florian, für den es trotz seines Handicaps scheinbar keine Grenzen gibt, denkt da anders. Ihn reizen Teamgeist und Spirit eines solchen Projekts gleichermaßen und gemeinsam mit Tim überlegte er, wen man noch für dieses Radsportabenteuer begeistern könnte. So kam Peter ins Spiel, der das RAAM 2013 zum ersten Mal im Viererteam fuhr und  das Rennen direkt sensationell gewann. Seitdem ist er noch weitere zwei Mal mitgefahren und auch, wenn er eigentlich nicht mehr antreten wollte, ist seine Leidenschaft für diese komplexe und faszinierende sportliche Herausforderung ungebrochen. Wenn man ihm zuhört, mit welcher Begeisterung er über das RAAM spricht, möchte man am liebsten selbst sofort aufs Rad steigen und mit dem Training beginnen. Er und Florian sind über ihre Frauen privat miteinander befreundet und bei einem gemeinsamen Abendessen erklärte Peter sich bereit, alle relevanten Infos für Florian und Tim zusammenzustellen und als Berater für das Projekt zu fungieren. Tim kontaktierte in der Zwischenzeit seinen BULLS-Teamkollegen Karl, der ihm aufgrund seiner fünf Cape Epic-Siege und seiner „knallharten Russengene“ (O-Ton Tim ;-)) als Traumpartner für ein derartig anspruchsvolles Vorhaben erschien. Im November 2017 trafen sich die Jungs dann in lockerer Runde auf einer Party – und nach ein paar Drinks war klar: Hier haben sich vier Radverrückte gesucht und gefunden. Selbst Peter, der sich zuvor in Sachen aktive Teilnahme noch ein wenig geziert hatte, war vom Teampotential so überzeugt, dass er alle Bedenken über Bord warf und beschloss, ein weiteres Mal in Oceanside an den Start zu gehen.

 

Offizieller Kick-Off für die „Gentlemen of Speed“ war Anfang 2018 – seitdem haben sie in rund 1800 Stunden mehr als 65.000 Trainingskilometer absolviert und sind nun extrem motiviert, unter die Top 3 der Viererteams zu kommen. Karl und Tim haben dabei als Profis genauso viel Respekt vor dem Rennen wie die beiden Amateure Florian und Peter. Auch wenn das sportliche Leistungsniveau sehr unterschiedlich ist, zählt am Ende vor allem, dass alle vier ihre Erfahrungen aus dem Leistungssport einbringen und wissen, dass ein Team in der Gemeinschaft weit mehr leistet als die Summe der Einzelleistungen seiner Fahrer. Und dass Peter aus seiner langjährigen Erfahrung weiß, was auf die „Gentlemen of Speed“ zukommt, ist ebenfalls ein echter Vorteil. So lässt sich bereits im Vorfeld eine ausgeklügelte Rennstrategie entwickeln und gezielt darauf hinarbeiten, dass alle Mitglieder des Teams mit ihren jeweiligen Stärken zum Gelingen des Projekts beitragen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass man bei einem Finish unter sechs Tagen einen Platz auf dem Treppchen erreicht – das ist das Ziel!