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Unsere Wechselstrategie

Wir fahren das RAAM zu viert als Staffelrennen – und dankenswerterweise machen uns die RAAM-Regeln diesbezüglich nur wenige Vorgaben:

  1. Wir können uns im Rennen nur vorwärtsbewegen, wenn mindestens einer von uns auf dem Rad unterwegs ist.
  2. Mindestens einer von uns muss im Ziel ankommen.
  3. Wir dürfen nicht mit anderen Teams Windschatten fahren.

Ansonsten sind wir, was den Einsatz unserer vier Fahrer Florian, Karl, Peter und Tim angeht, völlig frei.

Wir könnten theoretisch die ganzen knapp 5.000 km zu viert zusammenfahren und uns wie beim Mannschaftszeitfahren gegenseitig im Wind abwechseln. Wir wären dann sehr schnell, dass allerdings nur kurz. Denn irgendwann müssen wir ja alle mal schlafen. Wir könnten auch jeder der Reihe nach unsere sechs Stunden pro Tag abfahren, mit anschließend jeweils 18 Stunden Pause. Das würde zwar die Anzahl der Wechsel reduzieren und die Crew entlasten, wäre aber insgesamt keine gute Idee. Die Durchschnittsleistung, die wir über sechs Stunden erbringen können, ist erheblich niedriger, als wenn wir kürzere Intervalle fahren. Und die Regenerationszeit wäre nach so langen Belastungen deutlich länger, insbesondere für die Nichtprofis Florian und Peter. Außerdem würden dann die Schichten für jeden Fahrer immer zur gleichen Zeit beginnen. Und Radfahren morgens um 8.00 Uhr macht deutlich mehr Spaß als nachts um 2.00 Uhr. Schließlich müssen wir auch die Bedürfnisse der Crew beachten. Gerade die Begleitung mit dem Pace Car, das ständig bei dem aktiven Radfahrer bleiben muss und sich nachts nach den RAAM-Regeln nicht mehr als 10 Meter von ihm entfernen darf, erfordert extreme Konzentration von Fahrer und Navigator.

Glücklicherweise können wir auf die Erfahrungen des dreifachen RAAM-Finishers Peter und die unserer erfahrenen Crewmitglieder, von denen einige das RAAM schon siebenmal absolviert haben, zurückgreifen und haben uns so für eine bereits mehrfach erfolgreich angewandte Strategie entschieden: Wir werden unser Viererteam während des Rennens in zwei Zweierteams aufteilen. Karl und Peter bilden Team 1, Florian und Tim Team 2. Die Teams fahren in Schichten von je vier Stunden tagsüber und sechs Stunden nachts. Innerhalb der Schichten wechseln sich die beiden Fahrer grundsätzlich im Stundenrhythmus ab. Das sollte das Tempo hochhalten. Gerade in den Bergen können die Intervalle aber auch einmal kürzer werden. Das jeweils inaktive Team hat Pause und kann sich erholen. Beide Teams bekommen eine eigene Supportcrew, mit der sie in den Pausen in einem eigenen Camper fahren. Die Besatzung des Pace Cars wechselt ebenfalls jeweils mit ihrem Team (und hat mit ihm Pause).

Die Wechsel zwischen vier und sechs Stunden Schichten bieten mehrere Vorteile: Tagsüber werden die Einsatzzeiten pro Schicht einigermaßen beschränkt, was insbesondere wegen der erwarteten extremen Hitze sinnvoll ist. Die jeweiligen Ruhezeiten dienen dann dazu, genug zu essen und zu trinken, um wieder gestärkt in die nächste Schicht zu starten. Die längeren Nachtschichten ermöglichen es dem passiven Team (inklusive der Crewmitglieder, die nicht gerade den Camper fahren und navigieren), wenigstens etwas Schlaf zu finden. Die sechs Stunden stellen allerdings das Maximum dar, denn mehr hält die aktive Pacecar-Besatzung am Stück nicht aus. Schließlich führt der Wechsel zwischen vier und sechs Stunden Schichten zu einer gerechten zeitlichen Verteilung. Das Team, das an einem Tag die wenig attraktive 2.00 – 8.00 Uhr Nachtschicht fährt (mit kaum Schlaf vorher und nur vier Stunden Pause danach), darf sich am nächsten Tag auf die deutlich biorhythmus-freundlichere 20.00 – 2.00 Uhr Schicht mit anschließender sechsstündiger Nachtruhe freuen. 

Schade ist, dass wir Fahrer während des Rennens kaum Kontakt zum jeweils anderen Team haben werden. Dafür gibt es dann im Ziel in Annapolis umso mehr zu erzählen.