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Warum?

Am Wochenende geht’s los Richtung in Los Angeles, eine Woche später ist dann der Start. Die Vorfreude wird immer größer. Die Frage, die es noch zu beantworten gilt, lautet, warum man ein solches Rennen fährt? Hurry Sickness mag eine gute Antwort sein. Arbeitsverdichtung – der Alltag einer zunehmend fordernden Arbeitswelt, in der man am Limit sein Pensum erledigt und dabei immer effizienter wird, um die knappe Zeit stets optimal zu nutzen, eine zweite. Ein Agieren nach dem Pareto-Prinzip, also dem Grundsatz, mit limitiertem Zeiteinsatz ein möglichst hohes Maß an Leistung zu erbringen. Im Job und beim Training, denn auch bei letzterem lautet die Herausforderung für den intensiv Berufstätigen, möglichst mit 20% Trainingszeit 80% an Leistung zu erbringen, weil ja die anderen 80% der Zeit für die Erbringung anderer Leistungen benötigt werden. Kluge Spitzenathleten haben längst verstanden, dass Trainingsbelastung und Erholung perfekt aufeinander abgestimmt sein müssen, damit am Wettkampftag die optimale Leistung abgerufen werden kann. Bei Spitzen-dienstleistern ist das zumeist noch nicht angekommen, da gilt häufig: Viel hilft viel. Also die ganz alte Schule. Nicht aus mangelnder Einsicht, sondern vermeintlicher Alternativlosigkeit. Bringt uns zum RAAM. Das ist eine Alternative, eher ein Privileg, das uns einlädt, dem beruflichen und sonstigen Alltag komplett zu entsagen und sich auf ein Abenteuer einzulassen. Und wo im Leben gibt’s das sonst noch, ein wirkliches Abenteuer? Ein Abenteuer heißt, sich auf ein Wagnis einzulassen, das gewohnte soziale Netzwerk zu verlassen, sich am Limit zu fordern und einem Erlebnis hinzugeben. Die gesellschaftlich geprägte Vorstellung von Vernunft mag Abenteuer nicht, denn diese bedeuten das Verlassen der Komfortzone. Vernünftig ist das Leben in berechenbaren Mustern. Das Leben als glückliche Episode mit geordneten Bahnen oder als Erleben von Glücksmomenten gleichsam einer Perlenkette von Abenteuern? Das muss jeder für sich entscheiden, keinesfalls soll es so klingen, als würde ein Konzept das andere überwiegen. Ich sehe das RAAM als glückliche Fügung, für eine Woche aus dem üblichen Muster herauszutreten, etwas Neues zu erleben, auf Holz beißen zu müssen, eine wohl kalkulierte sportliche Grenzerfahrung zu machen, mich entlang meiner physischen Grenze zu bewegen und dabei von der wohligen, sozialen Gemeinschaft meines Teams umgeben zu sein. Besser geht’s nicht! Und ganz ehrlich, das RAAM ist immer noch Abenteurertum im “Biene Maja”- Format. Was großes Abenteurer-Kino ist, kann man unter www.heroesofthesea.com erfahren. Seit mir Rainer Ballwanz von seinem Projekt erzählt hat, denke ich jeden Tag mit Herzklopfen und stiller Bewunderung an dieses Abenteuer.

Fernab aller psychologischen Überhöhungen wie Hurry Sickness und Abenteuersehnsucht lautet die dritte Antwort: RAAM bedeutet das, was ich seit 40 Jahren mit größter Leidenschaft betreibe, nämlich Rennrad fahren in den schönsten Landschaften der Erde.

 

Peter Smeets